2. Station: Leonhardplatz (St. Leonhard)

Klimazirkus Nürnberg
St. Leonhard

Weil wir mittlerweile ganz gut wissen, dass wir selbst aktiv werden müssen, wenn wir wollen, dass sich etwas verändert, haben wir unseren zweiten Klimazirkus am 22.10. auf dem Leonhardsplatz aufgebaut. Wir wollten die Klimakrise weiter in die Stadtteile tragen, sie thematisieren und mit Menschen ins Gespräch kommen, erfahren, was den Bewohner*innen von St. Leonhard wichtig ist und was dringend anders werden soll. Um Nürnberg bis 2030 klimaneutral zu machen, ist es vor allem wichtig, die Stadt über den Hauptmarkt hinauszudenken und Stadtteile wie St. Leonhard, die offiziell als sozial angespannt gelten, näher zu betrachten.

Klimazirkus St. Leonhard

Der Kampf um Klimagerechtigkeit ist unweigerlich mit dem um soziale Gerechtigkeit verbunden. Interessenskonflikte in der Schweinauer Straße um die Ecke sind der Stadt seit Jahren bekannt, die Stadt weiß auch um die z.T. skandalöse Wohnsituation bulgarischer Familien, die nach Nürnberg immigriert sind. Veränderungen dieser Problematik bleiben jedoch bislang aus.

Die Bevölkerungsdichte in St. Leonhard ist fast viermal höher als in der Gesamtstadt, Autoverkehr und stark verdichteter Wohnraum prägen den Stadtteil. So waren wir kaum überrascht, dass uns von Beginn an viele Kinder besuchten und viel Zeit am Klimazirkus verbrachten. Am Samstag kamen viele Kinder zur Schnipseljagd vorbei, bei der sie verschiedene Stationen durchlaufen konnten, wie z.B. Zerowaste-Zahncreme selber machen, verschiedene Zahlenwerte von CO2-Emissionen raten und vom Ergebnis erschreckt werden oder mit dem Lastenrad fahren -was ganz besonders gut ankam.

Am Mittwoch beim Kinderprogramm und während der ganzen Zeit wurde deutlich, wie dringend vor allem die Kinder und Jugendlichen einen Ort brauchen, an dem sie zusammenkommen und spielen können. Dabei muss in erster Linie bedacht werden, dass keine weiteren Grünflächen und Bäume für Bauprojekte oder weitere Parkplätze geopfert werden dürfen. Es mangelt enorm an Grün im Stadtteil und es ist erschreckend, wie viel Raum dem Autoverkehr hier gegeben wird. Wenn wir nicht wollen, dass sich St. Leonhard im Sommer noch stärker aufheizt, muss diese Gewichtung schnellstmöglich anders werden.

Zu welchen Mitteln Klimaaktivist*innen aus Verzweiflung greifen, wurde am Samstagabend durch eine Doku über die Hungerstreikenden in Berlin und im anschließenden Gespräch im Zirkuszelt deutlich. Wie weit müssen Menschen gehen, damit sie endlich gehört werden? Gehört werden soll auch endlich unsere Forderung nach dem sofortigen Ausbaustopp des Frankenschnellwegs. Am Sonntag bestand die Möglichkeit, nach der Vorführung der Doku über den geplanten Frankenschnellweg, mit der Regisseurin des Films Lisa Kräher ins Gespräch zu kommen.

In der kommenden Woche widmeten wir zwei Abende dem Klimaentscheid Nürnberg, dieser will den Stadtrat mit einem Bürgerinnenbegehren und notfalls einem Bürgerinnenentscheid dazu bringen, einen konkreten Maßnahmenplan aufzustellen, um das Stadtgebiet bis 2030 klimaneutral zu machen. So kann Bürger*innen zum Klimaschutz eine Stimme gegeben werden und die Ziele des Abkommens der Pariser Klimakonferenz können tatsächlich wirksam eingehalten werden.

Die gerade abgeschlossene Bundestagswahl hat gezeigt, dass die Klimakrise und die notwendigen Maßnahmen zum Klimaschutz inzwischen bei allen demokratischen Parteien zu einem Topthema geworden sind. Eine große Mehrheit der Bürger*innen von über 70% sieht die Klimakrise als das dringlichste Problem, welches angegangen werden muss. Dennoch war und ist die Politik immer noch nicht konsequent genug bei Definition und Umsetzung von Strategien und Maßnahmen zum Klimaschutz. Das gilt auf allen politischen Ebenen und nicht zuletzt auch in den Kommunen. Die weisen gerne auf ihre desolate Haushaltslage hin oder darauf, dass sie viele der Treibhausgasemissionen auf ihrem Gebiet gar nicht beeinflussen könnten, weil vieles übergeordneter Gesetzgebung unterläge.

Aber gerade die größeren Städte sind mit ihrer sehr dichten Besiedlung und vielen wirtschaftlichen Aktivitäten in ihrem Umfeld die Orte, wo die menschengemachte Klimakrise hauptsächlich verursacht wird. Gleichzeitig gibt es dort z.B. bezüglich umweltfreundlichen Verkehrs- oder Energieversorgungskonzepten die größtmöglichen Hebel. Daher muss auch auf kommunaler Ebene konsequent alles nur Mögliche getan werden, um schnellstmöglich auf den Weg zur Klimanuetralität zu kommen.

Unterstützt uns weiter mit Eurer Unterschrift und informiert Euch unter:
https://www.klimaentscheid-nuernberg.de

Natürlich gab es in unserer Zirkuswoche noch weitere spannende Programmpunkte, wie Earth Jenga, bei dem wir über Kipppunkte informierten oder eine Begehung des Stadtteils zum Thema „Mikroklimasünden“ mit dem 1. Vorstand des Bürgervereins St. Leonhard Klaus Thaler, außerdem wurden immer wieder Zirkusführungen und Einsteiger*innentreffen angeboten. Am Wochenende freuten wir uns über ein Politgespräch mit den Parteijugenden und am letzten Abend war Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Verena Osgyan (Bündnis 90/ Die Grünen) zu Gast.

Mit dem 2.11. war auch schon der letzte Zirkustag gekommen; von wunderschöner Klaviermusik begleitet, bauten wir das Zirkuszelt am Leonhardsplatz ab und geben ihm jetzt ein paar Wochen Erholungsurlaub.  

Der Klimazirkus ist wieder weg, aber ein Thesenanschlag bleibt noch: sieben Klimaforderungen sollen in St. Leonhard umgesetzt werden, die den Problemen und Wünschen der Anwohner*innen eine Stimme geben. Darunter u.a. die bereits angesprochene Forderung nach mehr Treffpunkten oder danach, keine weiteren Grünflächen oder Bäume mehr für Bauprojekte oder Parkplätze zu opfern. Es wurde wieder einmal klar, dass Klimagerechtigkeit genau hier anfängt, an den Orten, die uns umgeben. Denn genau hier können wir etwas verändern und Veränderungen auf kommunalpolitischer Ebene einfordern.

Beitrag erstellt von Lisa

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